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23.8.05

Die Hand des Pseudopolitikers

Als sich Gerhard Schröder 1998 auf den Kanzlersessel niederließ, verschwanden seine Hände unter dem dem Schreibtisch. Keine Ahnung was sie da so gemacht haben. Sein Wahlslogan jedenfalls „wir machen nicht alles anders, aber vieles besser“ hatte kurz zuvor den Dicken vom Platz gefegt. Auch seine Hände waren niemals sichtbar gewesen und das 16 Jahre lang. Man hatte sich also schon daran gewöhnt des Kanzlers Hände und deren Machenschaften nur erahnen zu können. Nun ja, dachte man bei sich: Macht ist geil und Macht macht geil und Taschenbillard ist eben das große Kanzlerhobby. Dementsprechend konnte man nachvollziehen, dass es sehr schwer ist, als Kanzler seine Hände irgendwie anders einzusetzen, als sich über sich selbst zu freuen. Und als Schröder dann nach langer Zeit langsam aber sicher zur „Politik der ruhigen Hand“ ausholte, hoffte man inständig, dass er sie vorher gewaschen hat.
Nachdem er dann mit Ach und Krach wieder gewählt wurde, sah man seine Hände nun in andauernder Aktion und schon nach kurzer Zeit stellte sich der Wunsch ein, er hätte sie nie unter seinem Schriebtisch hervorgeholt. Was tat er da eigentlich? Wie ein Elefant im Porzellanladen schmiss er fast Mutters gesamtes Tischservice vom Regal. Er zerdepperte hier eine Vase, und dort eine Schüssel und während alle seine Parteisoldaten noch vor Schreck die Hände vors Gesicht hielten, kündigte er großschnäuzig an, auch noch das Silberbesteck zum Pfandleiher zu bringen. Was wollte er damit erreichen? Kann denn ein einzelner Mensch so doof sein?
Nun haben wir den Salat. Schröder sitzt selbstzufrieden in seinem Scherbenhaufen und grinst während alle sauer auf ihn sind. Seine eigene Partei, die er gleich mit in den Orkus riss, die Gewerkschaften, die Unternehmer sowieso und auch die Wähler wenden sich von ihm ab. Mache sind sogar so sauer auf ihn, dass sie gleich ne ganze Partei gegen ihn gegründet haben und sehr viele sind sauer genug, die auch zu wählen. Er wird wohl jetzt abgewählt, das hat er nun davon.
Aber das merkwürdige an der Sache ist, dass man ihm nicht eine Spur von Reue ansieht. Er hat sich selbst demontiert, hat seine Partei in die Krise gestürzt, hat seine Wählerschaft vor den Kopf gestoßen und wird jetzt dafür abgestraft. Dabei hätte er doch nichts weiter tun müssen, als seine Hände dort zu lassen, wo sie hingehören: unter dem Schreibtisch! Wird er sich das nicht selber denken? Er sagt immer wieder, dass es hätte sein müssen, dass wir uns das Porzellan und das Silberbesteck nicht mehr haben leisten können. Aber glauben wir ihm das? Quatsch. Der ist doch ein Politiker und Politiker sind Menschen, das weiß doch jedes Kind, die ständig lügen und Taschenbillard spielen. Und wenn sie dann doch mal etwas machen, dann tun sie es einzig für ihre eigene Geltungssucht und ihren Machterhalt.
Schröder ist also ein schlechter Politiker. Alles was er getan hat, ließ ihn nicht besonders gut aussehen und es hat ihm im Gegenteil seine Macht vielmehr gekostet, als sie zu erhalten, soviel ist jedenfalls sicher. Man kann tatsächlich das Gefühl bekommen, er habe seinen Beruf vollkommen verfehlt. Er scheint nicht aus Machtgier zu handeln, sondern aus Überzeugung. Ein Überzeugungstäter also, das sind die schlimmsten. Leute die auch noch glauben, dass sie das richtige tun, obwohl es unpopulär ist. Ein echter Politiker tut so etwas nicht. Ein echter Politiker stellt die Zufriedenheit der Wähler über alles andere. Schröder ist also nur ein Pseudopolitiker! Schröder simuliert nur einen Politiker! Schröder ist so falsch, wie die Farbe seiner Haare! Die ganze Zeit konnte er uns täuschen, aber jetzt sind wir sicher: Schröder ist gar kein Politiker!

Aber bald, nach der Wahl, haben wir endlich wieder echte Politiker in der Regierung. Puh!

(PS: Ich werd ihn wohl trotzdem wählen: Irgendwie hab ich eine Schwäche für tragische Figuren.)

2 Zitate:

... oder wie Anonymous enno einst so treffend sagte:

"Passt hier doch wirklich: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,371007,00.html"

Dienstag, August 23, 2005  
... oder wie Blogger mspro einst so treffend sagte:

"Friedensnobelpreis ist schon was feines. Aber in einer Reihe mit Colin Powell? Hmmm, das rüttelt doch irgendwie am Ausssagewert solcher Preise."

Dienstag, August 23, 2005  

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