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5.6.08

Profiling mit Twitter, oder was ist ein Captcha?

(Nein, das hier ist kein Twitkrit)
Ist es nicht schön? Man kann es einfach so raushauen. "Ich mache jetzt Feierabend", schleudert uns Moeffju entgegen. Einfach so. Nix besonderes, eigentlich. Genau diese Art Information, die man bei Twitter einfach so raushaut, ohne sich einen Kopf zu machen. Denn was ist schon dabei? Jeder macht doch Feierabend, irgendwann. Würde man nie drauf kommen, dass das, außer für ein paar Leute, für die es die Möglichkeit eröffnet jetzt mit dieser Person ein Feierabendbier zu trinken, irgendeine Relevanz besitzt. 

Man kann dies auch regelmäßig machen. Jeden Tag zum Feierabend dieser oder so ein ähnlicher Tweet. Für solcherart Rituale ist Twitter immer gut. Man kann das Wort Feierabend auch gleich als Tag ablegen: #Feierabend.

Und dann kommt irgendwer. Ein zukünftiger unentschlossener Kunde, ein potentieller Arbeitgeber, oder einfach nur eine Profilingagentur. Oder gar eine Web2.0 offene Profilaggregationsplattform. Und Zack wird aus den einzelnen und für sich harmlosen Feierabenden und ihrer Tweetszeitzen ein Arbeitszeitenprofil geschustert.

Es ist nicht immer sofort ersichtlich, welche Daten wir preisgeben, während wir sie preisgeben. Mit Regelmäßigkeiten und Hashtags lassen sich Daten zu Profilen verknüpfen, von denen wir heute noch gar keine Ahnung haben, welchen Komplexitätsgrad und welche Tiefe sie erreichen können.

Als Kosmar im Artikel bei den Blogpiloten von seinem Geburtstagskalender berichtete, war ich zunächst begeistert.
Ich selbst pflege zum Beispiel gerne den Twitter-Geburtstagskalender mit #hpybdy oder zeichne meinen letzten Tweet des Tages gerne mit #n8 aus.

Ist ja auch eine tolle und ebenso einfache Idee. Dass dort aber Liste für alle Leute zugänglich ist, die das für die Identifizierung ziemlich wichtige Datum des Geburtstags vieler Twitterer einfach so abrufbar macht, ist ein Datenschutzproblem. Ganz besonders dann, wenn man wie ich anonym im Netz unterwegs ist. 

Ich weiß nicht, wie weit die Profilingagenturen sind, Twitter systematisch auszuwerten. Ich weiß nur, dass das eine Datenverknüpfung ungeahnter Tiefe ermöglicht und zusammen mit anderen Daten viel tiefer und weiter in die Privatsphäre Einblick gewährt, als es einem beim jeweiligen Gebraucht bewusst ist.

Ich weiß selber noch nicht, was das alles für mich und meine Twitterei bedeutet. Ich weiß aber, dass man vorsichtig sein sollte. Vor allem, wenn man anfängt, Dinge zu standardisieren, mit Regelmäßigkeiten und Hashtags aber auch mit dem Gebrauch des Locationtags "L:". Man kann sich noch etwas schützen, indem man auf die Interpretationsbereitschaft seiner Follower setzt und die Maschinenlesbarkeit reduziert. Man muss im Grunde in Captchas twittern.

Wobei auch das keine Sicherheit ist. Was ein Captcha ist und was nicht, ist eine Frage, die letzten Endes in einer ungewissen Zukunft entschieden wird. Und zwar von Moores Law.

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12.12.06

typographia media GmbH und openPeople

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Achtung

Dieser Beitrag wurde auf Wunsch von Herrn Glembotzky an verschiedenen Stellen editiert. Zurecht edititert, denn er enthielt ein paar Fehler.


DISCLAIMER:

Ich bin mit dem Betreiber von Kiezkollegen.de, Mark Wirblich, befreundet. Es besteht und bestand jedoch keinerlei geschäftliche Beziehung zwischen mir und Mark noch zwischen Kiezkollegen und mir. Diesen Beitrag habe ich nicht nur nicht in Marks Auftrag geschrieben, sondern sogar - zunächst - ohne sein Wissen. Er ist lediglich Ausdruck meiner Wut gegen die Dreistigkeit von Spammern.

Noch ein Hinweis. Das Kiezkollegenblog ist mittlerweile nicht mehr von außen zu erreichen, weswegen einige Links leider nicht mehr gehen.

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Es gibt eine kleine Firma, nennen wir sie typographia media GmbH, die macht in e-Marketing. [Edit: Herr Glembotzky stellt fest, dass seine Firma nicht in e-Marketing macht. Glauben wir ihm das einfach mal.] Ja, sie hat da so ne Seite wo sie erfolgreich Mailadressen sammelt und dafür SMS Service anbietet. (http://www.free-sms.de/)
[Edit: Herr Glembotzky weist zurecht darauf hin, dass dieses Projekt bereits 2005 verkauft wurde und er deshalb nicht mehr dafür verantwortlich ist.]

Außerdem ist die Firma in Hannover ansässig, hat dort eine Party-Foto-Seite etabliert (http://10pm.de/), auf der hunderte, ja tausende Leute ihre Daten angeben. Damit steht sie insgesamt auf Platz 6 der Adresssammler in Deutschland, also noch VOR GMX!
[Edit: Herr Glembotzky weißt darauf hin, dass die hier verlinkte Statistik veraltet ist (2003). Zudem könnte der Eindruck entstehen, dass es hier um Andresshandel geht. Dem ist nicht so: Es handelt sich um eine Statistik von "Newsletter Versendern."]

Nun Mailadressen zu haben, ist zwar ganz nett, aber auch irgendwie total Web 1.0. Da muss man schon einiges mehr aufbieten heutzutage. Wie bekommt man also - fragte man sich dort wohl - an weitere Daten?
Klar. Man gründet den Xten Friendster-Clon: In Diesem Falle openPeople.de

Aber wie bekommt man jetzt die Leute dazu, sich dort einzutragen?
Die Antwort ist so einfach wie das Web 1.0: SPAM! Aber zusätzlich würze man das ganze mit einer Prise Phishing-Taktik und fertig ist die Chose.

Mal so gefragt: Kennst Du "Daniel Grupe"? Nein? Doch bestimmt. Na, von damals, ja sichhhhherrrr, mit dem hast Du doch schon mal einen gezwitschert... nech? Damals mit der geilen Erika... jedenfalls schreibt dir Daniel:

"Hi Jungs und Mädels,

ich habe mir mal die Mühe gemacht, und in den letzten Wochen die E-Mail Adressen der "üblichen Verdächtigen" unseres WG-Umfelds und derer Freunde zu sammeln, damit ich Euch zu openPeople einladen kann.

openPeople ist eine (höllenschnelle) Mischung aus StudiVZ, openBC und Kiezkollegen, bei der man sich nur anmelden kann, wenn man von einem bestehenden Mitglied eingeladen wird.

Also, ran an die Tasten und bis gleich bei openPeople!

Es grüßt, der Daniel
"

Also, Du üblicher Verdächtiger Du, ab zu openPeople und registrieren. Du weißt schon, die alte WG-Crew und so, ne?

Natürlich mit echten Namen, so will es das AGB. Und Job und Position. Telefonnummer wär ja auch nicht schlecht und was sonst noch so geht. Los! Eigetragen! Sonst erfährst du nie woher du diesen Daniel kennst.

Außer vielleicht man schaut nach Grupe bei Xing. Dann findet man bei ihm einen einzigen Kontakt: Rene-Christian Glembotzky. Geschäftsführer von typographia media GmbH, die Firma die besagtes openPeople macht wie man dort im Impressum nachlesen kann.

Alles klar, wird man sich denken. Normaler Spam. Die haben einfach meine Mailadresse von ihrem Mailbestand. Aber Moment: Nie gehört von 10pm.de? Nie gewesen auf free-sms.de? Und openPeople ist sowieso kein Begriff?

Es bleibt also die Frage: Woher hat Daniel die Mailadressen? Es gibt da einen Verdacht, dass Kiezkollegen, eine große Community in Hannover irgendwie angezapft wurde, denn dort scheinen sehr viele User betroffen zu sein. Fragen über Fragen, die ich versuchte hier aufzuklären.

Es dauerte aber nicht lange bis sich die Macher von openPeople mit einer weiteren Mail zu Wort meldeten:

"gerne möchten wir zu unserer heutigen Promotion-Aktion Stellung nehmen, die manche von Euch falsch verstanden haben.

Wie ihr sicherlich mitbekommen und gelesen habt, betreiben wir als Team von www.10pm.de seit Juli das Portal www.openpeople.de und haben deswegen die Partyfotos bis Januar 2006 "auf Eis" gelegt.

Da sich im Laufe von 5 Jahren, 500 Nächten und unzählbaren Partys jede Menge Fotos angesammelt haben, die ihr freudig geklickt, runtergeladen und als E-Card versendet habt und nicht zuletzt durch Kooperationen und Verlosungen mit unseren Nightlife-Partnern, haben wir dadurch einen der größten Bestände an E-Mail Adressen aus Hannover gesammelt, an den wir heute eine Promotion-Aktion mit Einladungs-Codes für openPeople versendet haben.

Was von uns eigentlich als Guerilla-PR Aktion geplant war (z.B. Absender Daniel Grupe, der "bei seinen WG-Partys gesammelt hat" usw), hat bei anderen Seitenbetreibern für viel Verwirrung gesorgt, da die Anzahl der in Hannover aktiven Partypeople nunmal begrenzter ist als z.B. in Berlin und Überschneidungen in den Nutzerdatenbanken häufig vorkommen.
"

Verwirrung? Verwirrung wegen eines dummen Zufalls, dass sich Adressen überschneiden?
Na du weißt schon, damals in der WG, da hast du doch im Suff der Erika deine E-Mail-Adresse gegeben. Na mit dem Daniel und so. Ja sichaaaaaaarrr...

Anders gefragt: Ist da nicht ein Muster erkennbar?

So wie typographia media GmbH darauf baut, dass der eine oder andere "Partypeople" sich nicht mehr so recht erinnern möge, ob er nun einen "Daniel Grupe" kennt oder nicht, genauso hofft sie jetzt darauf, dass die Leute sich nicht mehr so genau erinnern, ob sie nun auf 10pm.de ihre E-mailadresse abgegeben haben oder nicht.

Nun, es gibt Fälle, da kann man das mit letzter Sicherheit ausschließen. Unter anderem in meinen, aber auch im Falle anderer User die dort in den Comments posten.

Ich habe keine Ahnung wie groß openPeople ist. [Edit: Dieser Satz war dann doch etwas heftig und wurde gelöscht.] Das wirkt jedenfalls Systematisch. Es riecht nach organisierter Datenabzocke der "Partypeople".

Jeder kann selber entscheiden, was er davon hält und wie er das nennen will. Ich jedenfalls habe Strafanzeige erstattet, (Wegen Spammen und Verdacht auf Datenklau), denn das Vorgehen empfinde ich als einfach nur kriminell.
[Edit: Der Vollständigkeit halber: Die Staatsanwaltschaft teilte mir mit, dass das Verfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt wurde.]

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