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12.8.05

Der Begriff der Postmoderne

Der Begriff der Postmoderne ist zutiefst pluralistisch, mehrdeutig, multiperspektiv. Modernisten werfen ihm deshalb vor, er sei dadurch extrem unscharf. Dabei ist der Begriff dadurch nur eines: Postmodern. Der Begriff enthält also eins seiner wichtigsten Merkmale: Pluralität und Unschärfe. Er ist somit auf merkwürdige Weise selbstbezogen, rekursiv. Allein dieser Tatbestand ist nur mit einem Wort zu beschreiben: Postmodern.
So einfach ist das: Die Postmoderne ist eben postmodern. Das Ethos der Postmoderne ist also, sich mit der Pluralität von Rationalismen, Ideen und Wahrheiten abzufinden.
Das Problem mit der Postmoderne ist allerdings, dass sie mittlerweile unmodern geworden ist. Postmodern waren 80er und vielleicht noch die Anfang 90er, heute benutzt diesen Begriff nicht mal mehr das Feuilleton. Das ist zwar nicht ein ganz so großes Problem, wie das, in das die Moderne gestürzt wurde, als die Postmoderne aufkam. Denn als die Moderne damals deswegen unmodern wurde, war das naturgemäß eine richtige Identitätskrise. Die jetzige Krise, die durch Unmodernität der Postmoderne zustande kommt, ist mehr eine sprachliche, begriffliche. (was zumindest darauf hindeutet, dass sie eine zutiefst postmoderne Krise ist) Die Frage ist: Was kommt nach der Postmoderne: Die Post-Post-Moderne?
Dieses Problem hat die Postmoderne aber früh genug erkannt, und hat noch zu Lebzeiten die Begriffe von Zeit und Geschichte umgedeutet: Nach den postmodernen Geschichtsphilosophien gibt es nämlich keinen linearen Fortschritt, sondern nur Einschnitte, Diskontinuitäten, reine Veränderungen, die aber immer schon einhergehen mit Veränderungen im Denken, also im Weltbild und damit im Geschichtsbild selbst. Die Idee der menschlichen Zivilisationshistorie und deren kulturelle Entwicklung als lineare Funktion mit Ursprung und Ziel, sind mit dem postmodernen Denken also gar nicht vereinbar. Die Frage nach dem Danach der Postmoderne ist also schon keine postmoderne Frage mehr, sondern fällt zurück in die alten modernistischen, aufklärerischen Muster des Denkens des Fortschritts.
Nun wäre aber der Postmodernismus selbst eine Zäsur des Denkens, eben einer jener Einschnitte, die das was wir Geschichte nennen erst konstituieren. Dieser Einschnitt der neben dem Fortschritt auch das Vorhandensein einer Präsenz leugnet oder relativiert, lässt auch den Schluss nicht, zu dass das Jetzt eine Postmoderne ist, oder dass die Vergangenheit als eine Art abgeschlossener Gegenwart eine Postmoderne war. Die Postmoderne ist nicht und war nicht und wird auch nicht sein, wenn man sie denn beim Wort nimmt. Dass dies zum Problem wird, leugnet sie dabei gar nicht, sondern stellt vielmehr zur Aussicht, dass wir uns an diese Widersprüchlichkeit gewöhnen müssen. Das Denken der Präsenz, das Denken des Fortschritts und der Zeit, sei eben nichts anderes, als eine jener Möglichkeiten mit dieser Widersinnigkeit umzugehen, ohne sich ihr dabei zu stellen. Denn die Postmoderne war nach ihrer Definition immer schon, ist jetzt, und wird auch in Zukunft immer sein.
Diese offensichtliche Paradoxie ist nur mit einem Wort zu erklären: postmodern. Denn auch dies gehört zu postmodernen Theorien, dass die vermeintliche Einheit eines Gegenstandes durch den Begriff nur imaginiert ist. So evoziert der Begriff „Postmodern“, dass es etwas gäbe, was als eine Einheit „Postmoderne“ zu nennen wäre, über die man sprechen kann, als Exemplar und dessen Exemplarität irgendwie fassbar ist. Das ist sie nicht. Es gibt keine Postmoderne, es gibt keine postmodernen Theoretiker, jedenfalls keine, die sich unter diesem Begriff subsumieren lassen könnten. Es gibt keine Einheit des Begriffes, so wie es keine Einheit an sich gibt. Jeder Gegenstand ist schon in sich gespalten, jeder Begriff ist schon nicht er selbst. Man kann sagen, die Postmoderne IST nicht. Sie ist auch nichts worüber man sprechen könnte. Nun sollte man aus postmoderner Perspektive aber nicht schweigen zu den Dingen, von denen man nicht sprechen kann, denn sonst wären ja alle Leute stumm, denn im Grunde kann man über gar nichts sprechen. Man muss sprechen um die Illusion aufrecht zu erhalten, dass es Dinge gibt, dass man Begriffe von ihnen hat und man über sie sprechen kann. Und wenn jetzt einer kommt und meint das sei ja unlogisch, so ist ihm zu entgegnen, „ja, das ist unlogisch, sogar antilogisch, oder besser: antilogizitär“, die postmoderne Theorien wenden sich nämlich häufig auch gegen genau das, was seit tausenden von Jahren als der „Logos“ firmiert. Auch er ist nichts weiter als ein Effekt der Sprache und des sich selbst gegenwärtigen Bewussteins, das Dinge in einheitlichen Begriffe zu verstauen versucht und aus ihnen eine Logik zu erschaffen sucht, die nichts anderes gewesen sein wird als eine Metaphysik, die ihre eigenen Grundvoraussetzungen nicht hinterfragt hat.
Und da all das die Postmoderne auszeichnet, gibt es eigentlich auch niemanden, der sich selber mit dem Thema „Postmoderne“ auseinandergesetzt hat, und mir zuzustimmen geneigt wäre. Ich behaupte: das was ich „Postmoderne“ nenne, ist einzig meine eigene Vorstellung von dem was „Postmoderne“ genannt wird und aufgrund der Vielgestaltigkeit des Themas und aufgrund seiner unauslöschbaren Aporien¸ wird kein anderer „Postmoderne“ Begriff sich mit dem meinem decken und allein diese Tatsache verbürgt die Notwendigkeit des Begriffes „Postmoderne“, denn wir haben keinen anderen dafür.

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