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21.9.05

Der grüne Daumen

Jaja, ich sollte mich mal entscheiden. Es tut mir leid, ich weiß es einfach nicht. Ich gebe es zu, ich kenne die Zukunft nicht, ich kann da auch nur raten. Also spinnen wir das mal weiter:

Wie es aussieht,– und wie wir festgestellt haben, gibt es ja anscheinend auch gar keine andere Möglichkeit – wird die CDU versuchen sich nach Jamaika abzusetzen. Sicher, die CDU kann sich was besseres vorstellen, als mit den Grünen zu regieren und sicher, die FDP ist auch nicht gerade begeistert, aber so wirklich richtig scheiße ist das ganze doch nur für die Grünen.
Die haben in dieser Konstellation sicher politisch am meisten zu verlieren. Sie haben einen antischwarzgelben Wahlkampf gemacht (keinen antischwarzen, keinen antigelben, nein, einen dezidiert antischwarzgelben). Für die Grünen ist der Schritt also zu Schwarzgelb genauso riskant, wie es ein Schritt der FDP zu rotgrün wäre. Warum die FDP dort strikter in ihrer Ablehnung ist? Weil die als gebranntes Umfallerkind um die Konsequenzen weiß: sieben Jahre keinen Sex. Aber auch die Grünen sind ja nicht doof und wissen sehr genau um das politische Risiko. Dennoch haben sie thematisch ja durchaus Spielraum für diese Koalition. Aber sie sind noch in der Komfortablen Situation nichts entscheiden zu müssen: Deshalb lehnen sie sich zur Zeit zurück, schwärmen öffentlich für die Opposition und wiegeln Jamaika als unrealistisch ab. Im Hintergrund allerdings, da bin ich sicher, laufen die Vorbereitungen für die Unionsgespräche auf Hochtouren. Die Grünen wissen, in diesem Koalitionspoker können sie eigentlich nur gewinnen. Mit Sicherheit werden dieser Stunden bereits Giftlisten erstellt. Eine Liste: „Unionspolitiker, die wir doof finden.“ Eine Liste: „Unionspolitiker, mit denen wir gerade noch leben könnten“. Dazu Listen mit grünen Themen, NoGos und mit unumstößlichen Forderungen. Sicher auch eine mit Ministerposten, die man gerne für sich beanspruchen würde. Die Listen werden lang, die Listen werden hart. Die Grünen werden versuchen die Grenze alles Machbaren auszuloten. Fraglich bleibt, was dann mit dieser Grenze geschieht.
Denn die Grünen wissen auch, was passiert, wenn die Verhandlungen scheitern. Merkels Kopf wird rollen, die Union wird sich selbst zerfleischen, bis das Blut an die Decke spritzt, und dann … ja spätestens dann wird sie zur SPD angekrochen kommen. Die Grünen könnten das mit einkalkulieren. Sie haben also einerseits die Option, die Union komplett fernzusteuern, oder sie gar ganz und gar zu vernichten. Da sie selbst trotz aller Zugeständnisse in dieser Koalition politische Substanz verlieren würden, könnten sie tatsächlich in Erwägung ziehen, der SPD doch einfach diesen Gefallen zu tun und selber in die Opposition zu gehen.

Aber was macht die SPD? Das ist eigentlich zur Zeit völlig unerheblich. Sie weiß, dass es zur Zeit bei der CDU nix zu holen gibt und baggert deshalb (vergeblich) die FDP an. Das ganze erinnert dann an Jaques, das Stinktier bei Bugs Bunny, dass der holden Daxdame so erfolglos nachstellt. Die FDP, das ist klar, hofft jetzt erstmal auf Jamaika. Vorher wird die SPD nicht eines Blickes gewürdigt. Die Linkspartei kann natürlich nicht mal mit der Kneifzange angefasst werden und so hält man sich hier auch sichtlich zurück. Es bleibt also nur eins: Hoffen, dass Jamaika scheitert. Die Chancen dafür stehen gut. Und wenn das geschieht, dann bieten sich gleich mehrere Optionen. Die FDP wird sich gernerft abwenden und wird den Lockversuchen der SPD weit mehr gehör schenken, als das jetzt der Fall ist. Die Union wäre am Boden zerstört, zerstritten und Kopflos und würde gar nicht merken, wie sie in einer großen Koalition unter Schröder untergebuttert wird.
Wenn Jamaika allerdings zustande kommt, wird die SPD sich auch mit dem Oppositionsschicksal anfreunden können. Sie hat dann die Aufgabe sich in der Opposition neu zu erfinden. Denn eines ist klar. Schröder wird in diesem Fall in den Ruhestand gehen. Oppositionsarbeit ist seine Sache nicht. Ohne Schröder aber ist die SPD halbiert, die Lücken werden schwer zu schließen sein. Andererseits ist Opposition gegen Jamaika eine dankbare Aufgabe. Die haben den Feind ja schon im eigenen Bett.
Aber wie gesagt, was die SPD macht, ist eigentlich unerheblich. Die haben gerade Sendepause. Tatsächlich ist erstmal die Union am Zug (sich zu blamieren), da kann die SPD nun mal nichts machen, solange Guido die Arschbacken zusammenkneift.

Man sieht also: Alles steht und fällt mit Jamaika. Wirklich fest steht nur zweierlei:
Wer gewinnen wird: In jedem Fall die Grünen. So oder so.
Wer verlieren wird: In jedem Fall die Union. Mit oder ohne Jamaika, mit oder ohne Merkel, mit oder ohne Kanzler.

Alles wird sich letztendlich an den Grünen entscheiden. Je nachdem, in welche Richtung der grüne Daumen zeigt, nach oben oder unten, sind alle Schicksale bestimmt. Diese Position kosten die natürlich gerade genüsslich aus. Das Motto der Union: "AVE Fischer, die Todgeweihten grüßen dich."

2 Zitate:

... oder wie Anonymous mate einst so treffend sagte:

"und wenn die SPD in die Opposition geht (gehen muss), dann kriegen Schröder und Fischer eine Extraloge im Bundestag und gucken von oben zu, so wie die beiden Alten bei der Muppetshow."

Mittwoch, September 21, 2005  
... oder wie Anonymous Enno einst so treffend sagte:

"clap clap clap"

Mittwoch, September 21, 2005  

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