Too Cool for Internet Explorer

19.10.05

klick

Klick. Nur ein kurzer Druck. Mit einem Druck auf den Button geht es los. Der neue Eintrag ist online, so einfach ist das. Aber Moment. Was habe ich da gedrückt? Einen Button? Genau genommen habe ich doch wohl die Mousetaste gedrückt, keinen Button. Ich hätte zudem auch einfach „Return“ drücken können, was die selbe Auswirkung gehabt hätte. Zumindest ist das beim „Firefox“ so und ich erinnere mich auch beim „IE“, aber nicht beim „Netscape Navigator“, was einer der Gründe war, warum ich ihn nie leiden konnte.

Aber wichtig ist, dass ich den Button betätigt habe, auf dem „Publish Post“ steht, auch wenn ich das nur virtuell getan habe, indem ich die „Return“ (oder auch „Enter“) Taste gedrückt habe, nein halt, indem ich die Mousetaste gedrückt habe, ja genau die war es. So einfach ist das also einen neuen Post in seinen Blog zu stellen, einen Post, der wieder einmal etwas über mich erzählt, in meinem Blog, in dem schon viele solche Einträge stehen und der somit ein Sammelsurium bildet von Daten, die selber jeweils mit Datum versehen, all die Male dokumentieren, bei denen ich den besagten Button drückte – „Publish Post“.

Und auch dieser Eintrag hier wird mit solch einem Druck „public“. Genauso wie eine Zeitung in den Druck geht, denn auch dort wird schließlich gedrückt was das Zeug hält, in der Druckerpresse, damit die Zeitungen dann „druckfrisch“ in den Kiosken zu erwerben sind.

Aber dies ist ja schließlich keine Zeitung, auch wenn hier gedrückt wird, immer wieder gedrückt, beinahe jeden Tag, weil es mir einfach Spaß macht, und weil ich meine, dass ich hier etwas drücken kann, das mehr ist, als nur ein virtueller Button oder die Mousetaste. Genau, weil ich mich hier selbst ausdrücken kann. Mich als Person oder als Persönlichkeit drücke ich hier aus, was ja auch der eigentliche Sinn eines Blogs ist und sicher auch einer der vielen Gründe warum Menschen überhaupt bloggen. Dieses Blog als Ausdruck meiner Persönlichkeit, führe ich, und das ist ja das tolle daran, völlig freiwillig. Deshalb ist es so frei hier zu publizieren im WWW, so ganz ohne Druck.

Nur manchmal habe ich den Eindruck, dass mein Geschwafel hier vielleicht ein wenig langweilig ist, weil ich ja nicht viel erlebe, da ich Magisterarbeit schreiben muss und nicht viel herauskomme, deshalb gezwungen bin, mir mehr oder weniger die Dinge aus den Fingern zu saugen, oder zu quetschen, also dem Inhalt mit ein wenig Druck nachzuhelfen. Das ist vielleicht nicht ganz so interessant, oder nicht so leichtläufig, wie man es aus anderen Blogs kennt, die aus einem Leben voller Erlebnisse berichten. So denke ich mir das jedenfalls manchmal.

Aber dann habe ich den Eindruck, dass ich mich da zu sehr unter Druck setze, weil ich mir überhaupt solche Gedanken mache, denn ich tue das ja wie gesagt freiwillig und so soll es auch bleiben, nicht so wie die Journalisten, die eben unter Druck stehen und Schlagzeilen produzieren zu müssen, jeden Tag, weil die Zeitung nicht leer in den Druck gehen kann. Der Druck ist es, der den Druck macht, so habe ich den Eindruck.

So zum Beispiel, wie Don Dahlmann in seinem Artikel über eine Bloggerin berichtet, die damit aufhörte zu bloggen, weil sie sich tatsächlich dabei erwischte, wie sie darüber nachdachte mit jemandem eine Affäire zu beginnen, damit sie darüber bloggen kann. Dabei hatte wohl auch sie angefangen einen Blog zu schreiben, ohne Druck, so als Ausdruck der Persönlichkeit, die, in diesem Fall wohl auch darin bestand, diverse Affären zu haben. Und da so was ja gerne gelesen wird, ist so ein Blog dann schnell sehr populär, was dann eine Erwartungshaltung induziert bei den Lesen, den vielen Lesern, die jeden Tag wiederkamen, um über neue Äffären zu lesen. Und dann gibt es plötzliche eine Pflicht oder eine Schuld, die man spürt. Und dann ist er da, der Druck, dann drückt dieser Druck sich aus oder besser: ein, hinein in die eigene Persönlichkeit, ohne dass man es merkt.

Wie dem auch sei, ich habe so etwas nicht zu bieten, sondern nur mich sozusagen, mich als Person, die ich hier ausdrücke, so wie ich mich im normalen Leben ausdrücke, so wie ich über die Straße gehe, so wie ich spreche, mit Bekannten oder Freunden, wo ich einfach ich selbst sein kann. Aber nicht so, wie wenn ich mit meiner Dozentin rede, so wie gestern. Dann versuche ich mich gewählter auszudrücken, auf meine Ausdrücksweise zu achten, denn in so einer Situation, hat man schon ein wenig mehr Druck, der einen in eine gewisse Ecke drückt oder zwängt, wenn man einen guten Eindruck machen will.

Aber hier passiert alles ohne Druck, denn ich bin ja niemanden etwas schuldig, so könnte man sagen. Und so blogge ich, ganz ohne Anspruch, außer vielleicht dem, einfach frei zu sein, ich selbst zu sein. Dass ich euch Lesern dies eben bieten möchte, mich und nur mich, ganz unverfälscht. Dass ich sogar noch an mir arbeite, um noch mehr ich selbst zu sein, als ich es zur Zeit bin. Dass ich jeden Text in Zweifel ziele, ob er denn authentisch genug ist, authentischer noch, als ich im richtigen Leben bin, denn wenigstens hier will ich es sein.
Und wenn ich sage, dass es zu meiner Persönlichkeit gehört, herum zu philosophieren, dann ist das mitnichten ein Versprechen oder eine Selbstverpflichtung, die mich bindet an ein Thema. Da gibt es keinen Druck, nur mich und meine Sicht der Dinge, mich und mein Ausdruck, also das, was ich aus mir heraus drücke, etwas, das sich nach außen wölbt in einer gewissen Form, das sich Form gibt oder formiert, um sich wo anders einzudrücken. Das was ihr hier seht, das was euch einen Eindruck vermittelt, von dem was ich ausdrücke oder auszudrücken wünsche, ist also ein von mir heraus zu euch Hineingedrücktes. Spürt ihr es? Den Druck meine ich? Meinen Druck? Deshalb seid ihr doch hier, meinen Druck zu spüren, vielleicht nur als sanften Druck, den Druck einer Liebkosung. Und nicht ohne Eitelkeit nehme ich das wahr, nehme ich es in mich auf, denn es vermittelt mir einen Eindruck dieses Druckes, dieses angenehmen Druckes, der mehr ist, als ein einfaches „Hallo“, ein Wink als Begrüßung oder Verabschiedung.
Aber nein, bei mir ist das nicht so, ganz sicher nicht, hier ist kein Druck, nur der Druck der Mousetaste, nur der Druck auf Tasten, der Schlag, der Anschlag auf die Tastatur, das leise Klicken, taptaptaptaptaptap.

Ja, das ist schön. Lautmalerei. Ich liebe so etwas. Aber vor allem denke ich, dass es eine Stimmung ausdrückt, vermittelt, überträgt an euch, meine Leser. Eine heimelige Stimmung, keine heimliche. Vielleicht mögt ihr so etwas, vielleicht wollt ihr euch hineinversetzen, in den Schreibenden. Vielleicht wollt die Stille hören, den Alltag riechen. Aber vielleicht reicht der virtuelle Button irgendwann nicht mehr, vielleicht soll es etwas echtes sein, echter noch als echt, echter noch als die Mousetaste, diese an sich ja unverfälschte und reale Mousetaste. Ihr wollt einen Druck der noch realer ist, einen wahren Druck im Gegensatz zu seinem billigen digitalen Abbild. Ein Druck vielleicht, der einem das Angekommensein vermittelt. Das Angekommensein auf dem Boden der Tatsachen, nein sogar das AUFSCHLAGEN auf diesen Boden. Der schmerzhafte Druck, das Kneifen, das Zwicken, die ungefilterte Härte des Lebens. Und vielleicht will ich das auch, vielleicht will ich euch beeindrucken, hier und jetzt, ja ich habe den Eindruck, dass ich das will.
tap tap tap tap tap tap….
Komm mal näher ran,
tap tap tap tap tap
noch näher
tap tap tap
näher
tap

*Klick*

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