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3.12.07

Von rissigen Schafspelzen und linken Immunsystemen

Irgendwas ist schief gelaufen in den Medien. Irgendwas unerklärbares ist da passiert während der Schröderära. Das Kampagnenkartell (Podcast) zwischen Stern, FAZ, Springer und SPIEGEL hat sehr feste Strukturen ausgebildet. Es agiert und agitiert fast wie eine Lobby. Mit einer Stimme. Eine Stimme, die sich so weit von der Realität und der öffentlichen Meinung abgekoppelt hat, dass eigentlich klar sein müsste, das das nicht lange gut geht.

Es ist da eine diffuse Strategie erkennbar, die sich irgendwie auf verschlungen Wegen durchsetzen konnte. Eine Strategie, die jenseits des etablierten Konservativismus einen neuen, einen schicken und vor allem einen getarnten Konservatisvismus etablieren wollte. Konservative waren nur leider niemals sexy und auch niemals wirklich glaubwürdig. Er war immer die Starke Hand, niemals aber das gelenke Hirn. Man brauchte einen Schafspelz. Und zwar einen schicken, der auch bei den intelligenteren Wählerschichten ankommt. Es bedurfte der Unterminierung etablierter Linker Institutionen durch scheinkritische rechte Apologeten.

Als Grünenpolitker konnte z.B. Oswald Metzger durch die Talkshows tingeln und dem Fernsehvolk seine neoliberalen und neokonservativen Ideologien einhämmern. Dass er eigentlich vor allem ein INSM-Agent war, schien niemanden zu interessieren. Denn "wenn das jetzt sogar schon die Grünen sagen..." ist das ungemein effektiver, als wenn dort ein Westerwelle oder ein Merz sitzt. Die dort natürlich trotzdem zusätzlich noch sitzen.

Und nichts anderes passiert, wenn Leute lesen und staunen: "wenn das jetzt sogar der SPIEGEL denkt...". Der Schafspelz ist ein machtvolles Werkzeug zur Manipulation. Es täuscht einen überparteilichen und überpolitischen Konsens vor. Den Konsens "so kann es mit Deutschland nicht weitergehen". Die Strategie könnte man auch die "Sabine-Christanisierung" der Öffentlichkeit nennen. 

Aber der Schafspelz bekommt Risse.

Oswald Metzger wurde erfolgreich herausgeekelt aus der Partei, an deren linken Ruf er nur parasitär partizipierte. Aber eben auch einige andere Immunsysteme kommen langsam in Gang.

Im Kampagnenkartell scheint es ordentlich zu knirschen. Der SPIEGEL hat bei den meisten wirklichen kritischen Menschen längst seine Autorität verloren. Absatzmäßig sieht es zwar noch recht gut aus, aber die Meinungsführerschaft, Glaubwürdigkeit und Integrität bei den Lesern ist längst auf dem Tiefststand. Wölfe können wohl noch unterhalten, vertrauen tut man ihnen nicht.

Die Folge: Aust wurde endlich gegangen. Natürlich waren es nicht die Bertelsmänner, oder andere wirtschaftliche Interessengruppen, die das eingefädelt haben. Es war eine Größe, mit der in Verlagen normalerweise nicht zu rechnen ist. Niemand sonst hat schließlich eine Mitarbeiter KG. Eine quasi-demokratische Einheit, die wenigstens ein wenig die öffentliche Meinung spiegelt. Sie konnten sich das Merkelangeschleime wahrscheinlich auch nicht mehr antun. Aber es ist ja nicht nur Aust alleine. Jetzt hat es auch Matussek erwischt. Wer wird der nächste sein, von den Möchtegern-Royalisten? Mahlzahn? Steingart? Ihre Position dürfte deutlich geschwächt sein. Unter publizistischen Aspekten, sind sie schon lange fällig.

Ich bin mir sicher: der Spiegel fällt. Jedenfalls als neoliberaler, neokonservative Speerspitze des angesprochenen Kampagnenkartells. Und ohne den Spiegel ist dieses kaum mehr aufrecht zu halten. Denn der Spiegel legitimierte erst die Kampagnen. Er brachte erst die Integrität ins Spiel, die dem Axel-Springerverlag schon immer fehlte und der FAZ nur in rechten Kreisen zuerkannt wurde. Ohne den Spiegel ist das Projekt des neuen Konservativismus schlicht gescheitert.

Wenn der SPIEGEL aber wieder kritisch wird, dann dürften sich auch in der restlichen Medienlandschaft einige Machtstrurkturen neu justieren. Dann sind nicht mal Schirrmacher, Diekmann oder gar Döppner mehr sicher im eigenen Verlag. Lasst mich raten: Schirrmacher wird jetzt als erster enorm wackeln, so viel wie der sich schon geleistet hat und derzeit leistet. Er hat dem Ruf der FAZ ebenso geschadet, wie Aust dem SPIEGEL.

Und dann? Kommt die verstörte und verängstigte Sozialdemokratie vielleicht wieder aus ihrer Versenkung hervor? Was bleibt von Merkel noch übrig, wenn ihr die publizistische Hofberichtserstattungs-Phalanx abhanden kommt? Wird die INSM und die Bertelsmannstiftung endlich mal transparent durchleuchtet? Was würden die da wohl alles finden? Man darf gespannt sein.

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